Samstag, 13.03.2010

China überholt die USA beim Bordeaux-Import

Die Volksrepublik China hat im vergangenen Jahr die USA als bislang wichtigsten nichteuropäischen Importeur von Bordeaux-Weinen überholt und steht jetzt auf Platz vier der Bordelaiser Exportstatistik hinter Deutschland, Belgien und Grossbritannien. Dies geht aus der ansonsten wenig erfreulichen Jahresbilanz hervor, die Alain Vironneau, Präsident des CIVB, am Freitag auf einer Pressekonferenz vorstellte. Demnach ist der Export der Bordelaiser Weinwirtschaft im Jahr 2009 um 14 Prozent in der Menge und um 23 Prozent im Wert eingebrochen und zwar auf 206 Millionen Flaschen und 1.29 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis sei schlichtweg „katastrophal“. Daran hätte auch die „leichte Erholung“ im vierten Quartal nichts mehr ändern können.

Donnerstag, 11.03.2010

Neuer Name für den weissen La Mission Haut-Brion

Der Weisswein von Château La Mission Haut-Brion wird mit dem Jahrgang 2009 einen neuen Namen bekommen. Zukünftig wird er nicht mehr wie bisher unter Château Laville Haut-Brion vermarktet sondern einfach unter Château La Mission Haut-Brion Blanc. Die bisherige Bezeichnung wurde in den 1930er Jahren kreiert als Verbindung der beiden Namen Château La Mission Haut-Brion und Clos Laville, einem 2,5 Hektar grossen Nachbarweingut, das Ende der 1920er Jahre vom damaligen Besitzer von La Mission, Frederic Woltner, erworben wurde. Bis 1930 hiess der Wein auch Mission Haut-Brion Blanc, erst ab 1934 . Château Laville Haut-Brion. Auch der Zweitwein erhält einen neuen Namen. Er wird künftig statt Les Plantiers du Haut-Brion die Bezeichnung La Clarté de Haut-Brion tragen.

Donnerstag, 04.03.2010

Bordeauxgeschäft von Hawesko wächst zweistellig

In seiner vorläufigen Bilanz für das Jahr 2009 hat der Weinhandelskonzern Hawesko darüber berichtet, dass beim Umsatz mit Bordeauxweinen älterer Jahrgänge ab dem vierten Quartal 2009 eine gewisse Erholung zu registrieren gewesen sei. Diese Wiederbelebung des Bordeaux-Geschäfts habe u.a. dazu geführt, dass der Bereich Großhandel nach vier aufeinanderfolgenden Quartalen mit negativer Entwicklung den Umsatz wieder steigern konnte, und zwar um 14,2 Prozent auf 47,0 Millionen Euro. Die Geschäftsführerin der Hawesko Tochter Château Classic in Bordeaux, Bergitta Reiss bestätigte nun gegenüber Planet Bordeaux, dass sich dieser positive Trend auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres fortgesetzt hat. Und zwar mit Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent. Man bewege sich umsatzmässig heute wieder auf das Niveau von 2008 zu. Es werde aber sicher noch einige Zeit dauern, ehe man an die Spitzenwert von 2006 und 2007 werde anknüpfen können. Vor allem das Chinageschäft gebe einigen Anlass zu Optimismus. Fakt sei aber nach wie vor, dass sich das Geschäft sehr stark auf die Premiers und andere hochklassifizierte Gewäche konzentriere.

Liv-ex 100 jenseits von 250 Punkten

Der Londoner Wein-Index „Liv-ex 100“ ist im Februar erneut um drei Prozent gestiegen und hat die wichtige Linie von 250 Punkten nach oben durchbrochen. Damit ist charttechnisch gesehen der Weg frei für einen neuen Höchststand dieses wichtigsten Preis-Indexes des Fine Wine Marktes. Der lag im Juni 2008 – vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise – bei 264,31 Punkten. Derzeit liegt der Liv-ex100 bei 251,03 Punkten. Seit Jahrebeginn ist er um 5,8 Prozent gestiegen und im Vergleich zum Februar 2009 um 19,5 Prozent. Durch die bevorstehende Primeur-Kampagne für den bereits vorab als exzeptionell eingestuften Jahrgang 2009 in Bordeaux dürfte genügend Preis-Fantasie für einen neuen Rekordstand entstehen. Der Londoner Wein-Index „Liv-ex 100“ ist im Februar erneut um drei Prozent gestiegen und hat die wichtige Linie von 250 Punkten nach oben durchbrochen. Damit ist charttechnisch gesehen der Weg frei für einen neuen Höchststand dieses wichtigsten Preis-Indexes des Fine Wine Marktes. Der lag im Juni 2008 – vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise – bei 264,31 Punkten. Derzeit liegt der Liv-ex100 bei 251,03 Punkten. Seit Jahrebeginn ist er um 5,8 Prozent gestiegen und im Vergleich zum Februar 2009 um 19,5 Prozent. Durch die bevorstehende Primeur-Kampagne für den bereits vorab als exzeptionell eingestuften Jahrgang 2009 in Bordeaux dürfte genügend Preis-Fantasie für einen neuen Rekordstand entstehen.

Sonntag, 21.02.2010

Winterschlussverkauf

Seit Wochen werden immer wieder aktuelle Bordeaux-Jahrgänge vom einfachen Bordeaux A.C. bis zum klassifizierten Gewächse über Super- und Verbrauchermärkte, Kaufhäuser als Schnäppchen angeboten. Jüngstes Beispiel für diesen „Winterschlussverkauf“ gestern gesehen bei Karstadt in Hamburg: Weine wie Château Pey La Tour von Dourthe, der Cru Bourgeois La Race Beauvallet oder Chateau Le Mauceau aus Blaye stehen für fünf oder sechs Euro zu Einheitspreisen für den Ausverkauf auf der Fläche.



Das hat zwei Gründe. Zum einen sind die Läger der Erzeuger und Negociants in Bordeaux noch voll mit Weinen der schwachen Jahrgänge 2006, 2007 und 2008, die sich nur sehr schleppend verkauft haben. Aber auch 2001, 2002 und 2004 sollen wie man hört noch reichlich vorhanden sein. Das geht an die Substanz. Und jetzt brauchen die einen Platz für den Einlagerung des Jahrgangs 2009 und die anderen Cash um den einkaufen zu können, wenn im April die Primeur-Kampagne beginnt

Freitag, 19.02.2010

Bernard Magrez kauft Weingut im Douro

Der Bordelaiser Weinmagnat Bernard Magrez (Château Pape Clément) ist jetzt auch im portugiesischen Douro-Tal aktiv geworden. Er hat dort ein acht Hektar grosses Weingut gekauft. Dort will er nach eigenen Angaben aus den autochthonen Rebsorten Touriga Nacional und Touriga Franca einen Wein mit Namen „Esperança“ erzeugen. Von dem Superpremium-Wein solle es nur eine limitierte Menge von max. 8.000 Flaschen geben. Mit dieser Akquisition hat Magrez sein Weinimperium auf 35 Weingüter ausgebaut.

Donnerstag, 11.02.2010

Eine Inkarnation von Pomerol

Über diesen Pomerol sind sich so ziemlich alle namhaften Kollegen weltweit einig: 1989 Château La Conseillante. Nicht wenige halten ihn für den besten Wein dieses Jahrgangs aus Bordeaux überhaupt.



Robert Parker hat ihn mit 97 Punkten und der Bemerkung „die grossartigste Leistung aus diesem Weingut seit dem 49er“ zumindest in die Vorhalle des Wein-Olymp gehievt. René Gabriel schrieb bei der Verkostung der Fassmuster im Jahr 1990: „drogenhaft umwerfende Nase.“ und notierte 1996 ein Wein, der blind sofort an einen Pétrus erinnert“. Michael Broadbent fasste seine Eindrücke in dem Wort „fabulously“ zusammen. Nach den diversen Prognosen - 2006 (Gabriel) bis 2010 (Parker) – sollte der Wein sich jetzt eigentlich auf seinem Höhepunkt befinden. Grund genug, dies zu überprüfen, auch wenn ich generell dazu tendiere den besten Weinen des Jahrgangs 1989 ein deutlich längeres Reifepotential als 20 Jahre zuzubilligen.

Montag, 08.02.2010

Bordeaux entdeckt Web 2.0

Wie sich die Zeiten ändern. Das Web 2.0 - seine Networks und Communities - spielt eine immer wichtigere Rolle in der internationalen Weinszene. Auch in Bordeaux. So hat die Union des Grands Crus de Bordeaux begonnen ihre Ende des vergangenen Jahres eingerichtete Facebook-Seite zu aktualisieren und Jean Luc Thunevin lädt in diesem Jahr erstmals dreisprachig via Facebook für sein Primeur-Tasting in Saint Emilion ein. Es findet vom 29. März bis 2. April 2010 statt und zwar wie früher in der Garage
in der Rue Vergnaud. Über 100 Facebook-User haben sich bereits in die Gästeliste eingetragen. Ich werde auch dort sein.

Freitag, 05.02.2010

Bill Blatch über den Jahrgang 2009

Der britische Weinhändler Bill Blatch gilt als ein besonders profunder Kenner der Bordelaiser Weine. Seine minutiösen Reports und Wetteraufzeichnungen sind für viele eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Informationsquelle zur Beurteilung der Jahrgänge. Der seit 1974 in Bordeaux mit seiner Negociant-Firma Vintex S.A in Bordeaux ansässige Blatch spielt zum einen als Händler eine gewichtige Rolle auf den angelsächsischen Märkten. Zum anderen sagt man ihm einen grossen Einfluss auf das Urteil von Robert Parker nach, für dessen „graue Eminenz“ ihn viele halten.

Auf der Seite von Jancis Robinson hat er jetzt den ersten Teil seines Jahrgangsreports 2009 veröffentlicht und kommt dabei zu einem überschwenglichen Fazit: die erste Dekade des 21. Jahrhunderts endet in Glanz und Gloria. Niemals zuvor in der überschaubaren Geschichte des Bordelaiser Weinbaus habe es eine derart erfolgreiche Dekade gegeben auch nicht in den 1840er und 1920er Jahren. Hier ein Auszug im englischen Original seiner Jahrgangsbeschreibung für 2009, ein Dokument, das ganz sicher die Bewertungen und Preisfindungen in den kommenden Monaten nachhaltig beeinflussen werden.

Mittwoch, 03.02.2010

Die Union präsentierte 2007 in den USA

Zum Jahresauftakt 2010 präsentierten 81 Güter aus der Reihe der Union des Grands Crus de Bordeaux (UGCB) den Jahrgang 2007 in den USA und Kanada darunter auch Château la Tour Figeac, dessen Besitzer Otto Rettenmaier mir dieses Handy-Foto samt einem kurzen Stimmungsbericht schickte.



Ziele der Werbetour waren in diesem Jahr die Metropolen New York, Toronto, Chicago und Los Angeles. In Toronto wandte sich die Verkostung auch an Endverbraucher. Der Andrang war trotz der hohen Eintritts von 75 kanadischen Dollar so gross (ca. 550 Personen), dass die Raumkapazität an die Grenzen stiess und am Ende die Weine ausgingen! Der vorgestellte Jahrgang 2007 kam bei den meisten Besuchern gut an. Man fand ihn offensichtlich weit besser als sein Ruf, insbesondere auf dem rechten Ufer. Dafür werden aber die beiden anderen aktuellen Jahrgänge 2006 und 2008 mangels entsprechender nachfrage kaum gehandelt. Dagegen zieht offenbar seit Dezember der Markt in den USA für ältere Bordeaux-Jahrgänge wieder an.

Liv-ex auf dem Weg nach oben

Die letzten Auktionsergebnisse für hochwertige Bordeaux-Weine aus Fernost hatten es bereits signalisiert: der Aufwärtstrend am Fine-Wine-Markt setzt sich in diesem Jahr fort. Auch die heutige Meldung des Londoner Liv-ex-Blog zeigt, dass die Erholungsphase nach dem Einbruch im Winter 2008/2009 fast abgeschlossen ist. Der Index kletterte im Januar um 2,7 Prozent auf 243,59 und nähert sich damit wieder der magischen 250-Punkte-Marke. Im Jahr 2009 stieg der Index um 15,7 Prozent und im Vergleich Januar 2009 zu Januar 2010 sogar um 17,4 Prozent. Analysten rechnen daher für dieses Jahr mit Zuwachsraten jenseits von 20 Prozent und erneuten Allzeit-Höchstständen.

Mittwoch, 27.01.2010

Yquem-Premiere im Grand Theatre

Welche Bedeutung Pierre Lurton dem Jahrgang 2009 von Château d´Yquem beimisst, hat er kürzlich in einem Interview kundgetan. Er sei für ihn der beste seit 1893, ein echter Jahrhundertwein also. Für die Premiere dieses Weins hat er sich denn auch etwas spektakuläres ausgedacht. Die Fassmuster werden nicht wie sonst üblich zum Auftakt der Primeur-Woche während eines Empfangs am Montag nachmittag auf Château d´Yquem vorgestellt, sondern in der Mitte der Woche an einem höchst repräsentativen Platz im Herzen von Bordeaux präsentiert und zwar im Grand Theatre. Dort kann die Fachwelt am Mittwoch, den 31. März von 16.00 bis 22.00 h den Yquem 2009 verkosten. Dies ist einer von zahlreichen Hinweisen, dass die Bordelaiser Weinwirtschaft gedenkt den Jahrgang 2009 in einem ganz besonderen Masse zu zelebrieren.


Auktionsrekord für Château Lafite 1982 in Hongkong

Eine Sotheby´s -Auktion rarer Bordeaux-Weine in Hongkong übertraf mal wieder alle Erwartungen und zeigt, dass der Fine-Wine-Boom in Asien ungebrochen ist.Eine 6-Liter-Flasche Château Lafite des Jahrgangs 1982 erreichte bei der Versteigerung im Mandarin Oriental Hotel einen Preis von 33.115 Euro (HK$363,000) und übertraf damit die Schätzung um das Doppelte. Ein weiteres Highlight waren zwei Magnum-Flaschen von Château Pétrus 1982, die mit 39.731 Euro (435,600 HK) mehr als das Dreifache des Schätzpreises erbrachten. Bei der Auktion kamen insgesamt 800 Lots unter den Hammer und auch das Gesamt-Ergebnis lag mit 37,5 Mio. Euro deutlich über den Schätzungen von 28,4 Mio. Euro. Etwa ein Viertel der Bieter stammte vom chinesischen Festland. Laut einem Bericht des Wirtschaftsdienstes Bloomberg gibt es Anzeichen dafür, dass vermögende Chinesen aus Angst vor einer hyperinflation Teile ihres Vermögens verstärkt in verschiedenen assets anlegen, darunter auch raren Weinen.

Sonntag, 03.01.2010

Weltkunst für Mouton 2007

Der mit monumentalen Stahlskulpturen bekannt gewordene französische Bildhauer Bernar Venet (68) wurde von Château Mouton-Rothschild ausgewählt das Label für den Jahrgang 2007 zu gestalten. Nach Jahren eher zweitklassiger Designs kehrt Mouton damit zu seiner früheren Linie zurück, erstklassige Künstler von Weltrang mit der Gestaltung des Labels zu beauftragen.

Venet, der seit 1966 in New York lebt und arbeitet, wird von der angesehenen Stockholmer Galerie Wetterling vertreten, die auch Jim Dine und Frank Stella zu ihren Künstlern zählt. Er ist in vielen internationalen Museen und bedeutenden privaten Sammlungen vertreten. Die markanten Kurven seiner Skulpturen prägen aber auch das Bild zahlreicher Plätze in europäischen und amerikanischen Grosstädten wie Köln, Paris, Berlin oder New York. Venet gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart und war Teilnehmer der documenta 6 in Kassel (1977) und der Biennale in Venedig 1978. In Deutschland widmete ihm zuletzt die Kunsthalle Darmstadt Anfang des Jahres 2009 eine grosse Einzelausstellung. Jetzt steht er bei Mouton in einer Reihe mit Pablo Picasso, Andy Wahrhol, Georg Baselitz, Wassily Kandinsky, George Braque, Marc Chagall, Juan Miró und Salvador Dalí.

Samstag, 02.01.2010

35 Jahre und kein bisschen müde

Mehr können die Meinungen über einen Wein wohl kaum auseinandergehen wie über der Gran Vin von Château Lafite des Jahrgangs 1975.

Robert Parker gab ihm 96 Punkte und schrieb: „Emile Peynaud der berühmte Oenologe aus Bordeaux führte bei der Weinbereitung die Aufsicht ... So entstand der erste grosse Lafite seit 1959, der diesem in Wucht, Kraft und Stil übrigens sehr nahekommt …. Er ist ein grossartiger Wein, der zwar weniger komplex, dafür aber kraftvoller schmeckt als der superbe 76er.“ Dagegen widmet René Gabriel in „Bordeaux Total“ diesem Wein einen saftigen Verriss: „Oft getrunken, war aber nie im Entferntesten als Premier Cru zu bezeichnen. Manchmal ist er faulig, manchmal ist die Säure blechig. Also - falls Sie wirklich von diesem Wein im Keller haben – dann füttern sie Auktionshäuser damit und kaufen billigere und bessere Flaschen dafür“ Seine Note: 15/20.

Sonntag, 27.12.2009

Ein Wein wie eine Elfe

Diesem Wein eilt trotz des grossen Namens und des eigentlich recht attraktiven Jahrgangs kein guter Ruf voraus. „Den Latour 1976 kann man schlichtweg vergessen.“ So barsch urteilte René Gabriel nach dem Genuss einer Flasche im Jahr 1995. Gnädiger äusserte sich etwa zu der gleichen Zeit Michael Broadbent. Er sprach von einem „zugänglichen, weichen, leicht karamellartigen Geschmack. Wird sich halten und noch weicher werden.“ Auch Parkers relativierte seine mittelprächtige Note von 83/100 durch die Bemerkung für den Jahrgang sei der Wein ein Erfolg gewesen. Eine längere Zukunft als 1996 wollte er dem Wein zum Beginn der 1990er Jahre aber auch nicht zugestehen.



Ich selbst habe ihn in der Zeit zwischen 1989 und 1997 vier Mal getrunken und dies mit unterschiedlichen Befunden. 1989 und 1993 war ich eher enttäuscht und traute diesem Wein ebenfalls keine lange Lebenszeit zu. Anders 1994 und 1997. Da schien er mir wie verwandelt. Ich fand ihn bemerkenswert unverbraucht, farbtief, schon mit einer gewissen reifen Süsse, aber auch mit Moccanoten und genügend Tannin. Meine Punkte blieben anfangs deutlich unter 85, dann aber tendierten sie gegen 89 oder 90/100. Wenn man diese Notizen nochmals Revue passieren lässt, wird man neugierig und möchte gerne wissen, wie sich dieser Wein fast 15 Jahre nach dem von den drei Koryphäen prognostizierten Verfallsdatum jetzt präsentieren würde.

Dienstag, 22.12.2009

Steigende Tannin-Levels bei Bordeaux-Weinen

In einem ausführlichen Interview im Bordoverview Blog von David Bolomey (Amsterdam) über den Jahrgang 2009 macht Vincent Bache-Gabrielsen, technischer Direktor von Château Belle-Vue und Château de Gironville (Haut-Médoc), auf eine interessantes Phänomen aufmerksam. So sind laut in den Jahren zwischen 1982 und 2008 die IPT-Werte in den Bordelaiser-Weinen um 26 Prozent angestiegen sind. Für das Jahr 2009 hat er in einigen Fässern gar IPT Werte gemessen, die um 100 Prozent über den Werten von 1982 liegen nämlich zwischen 100 und 140.
1982: 60 bis 62
2000: 70
2003: 73
2005: 78
IPT steht als Abkürzung für Indice des Polyphénols Totaux und beschreibt die Menge aller Tannine im Wein inkl. Anthocyanins. Laut vines.org bedeutet das, dass in den zurückliegenden Jahrzehnten die phenolischen Levels in den Weinen im Schnitt von 5 g/l auf 6 g/l angestiegen sind.

Freitag, 18.12.2009

Derenoncourt über den Jahrgang 2009

In einem Gespräch mit Andrew Black erklärt Stéphane Derenoncourt, warum für ihn 2009 ein ganz besonderer und ein grosser Jahrgang ist. Dabei kann sich der für zahlreiche Weingüter tätige önologische Berater auf einen breiten Erfahrungsschatz aus mehreren Appellationen stützen. Er beschreibt einen kompletten Jahrgang, in dem keine Sorte, kein Ufer, keine Appellation besonders herausragt. Die Qualität ist seiner Meinung nach gleichmässig verteilt, wenn man von den grossen Hagelschäden und der Überproduktion bei manchen Erzeugern absieht. Generell hätten die Winzer aber allen Grund glücklich zu sein mit dem Jahrgang 2009. Hier der vollständige Text des Interviews im englischen Original-Wortlaut.

Donnerstag, 17.12.2009

Pierre Lurton: 2009 ist der beste Yquem seit 1893

In einem Interview mit dem britischen Weinhändler Andrew Black erhebt Pierre Lurton, Regisseur von Château d´Yquem und Château Cheval blanc, den Jahrgang 2009 von Yquem in den Rang eines wahren Jahrhundertweins. Lurton: der beste Yquem seit 1893, eine künftige Legende! („is going to be a legendary vintage“) Und der 1893er ist, wie ich aus eigener Trinkerfahrunge sagen kann, ein wirklicher Wunderwein. Bei den Roten stuft Lurton auch jetzt nach dem Ende der malolaktischen Gärung den Jahrgang höher ein als 2005. Seine Beschreibung der Jahrgangs-Charakteristik klingt viel versprechend: Öligkeit, Wollust, und grosse Finesse („The words that come to mind at this stage are unctuosity, voluptuousness and great finesse.“) Hier der volle Wortlaut des Interview im englischen Original-Text.

Mittwoch, 16.12.2009

Mouton Cadet mit Jubiläumsedition

Im kommenden Jahr feiert einer der bekanntesten Weine der Welt sein 80jähriges Markenjubiläum: Mouton Cadet. Kreiert wurde dieser Wein 1930 von Baron Philippe de Rothschild (1902 – 1988), der im Alter von gerade einmal 20 Jahren den Bordelaiser Familienbesitz der Rothschilds übernommen hatte. Aus Anlass dieses Jubiläums bringt die Baron Philippe de Rotschild SA eine limitierte Sonderedition des Jahrgangs 2006 in Magnumflaschen auf den Markt mit einem Retrolabel, das dem Original des ersten Mouton Cadet Labels von 1930 nachempfunden ist und wie damals als Cabernet dominierter reiner Paulliac-Wein.



Ursprünglich handelte sich bei Mouton Cadet um einen Wein der Appellation Pauillac AOC. Erst nach 1940 wurde er als Bordeaux A.C. gefüllt. Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine ganze Markenfamilie mit einem roten und weissen Basiswein so wie einem Rosé und fünf Reserve-Weinen der Appellationen Médoc, Grave blanc und rouge, Saint Emilion und Sauternes. Die Anbaufläche für diese Weine umfasst 485 Hektar. Die Gesamtproduktion von Mouton Cadet liegt heute bei ca. 24 Millionen Flaschen. Das entspricht etwa knapp drei bis vier Prozent der gesamten Bordelaiser Jahresproduktion, die zwischen 600 und 700 Mio. Flaschen schwankt. Mouton Cadet geht zu 75 Prozent in den Export in rund 150 Länder der Welt. Damit ist Mouton Cadet der weltweit meistverkaufte Markenwein aus Bordeaux und einer stärksten europäischen Weinmarken. Die Preise liegen im hohen Premiumbereich zwischen 7,10 Euro und 15,80 Euro. Der EVP für die Jubliäumsflasche wird in Deutschland bei 59 Euro liegen.

Montag, 07.12.2009

Wein-Indizes weiter im Plus



Die Erholung des europäischen Fine Wine Marktes hat sich im November zwar etwas abgeschwächt, schreitet aber weiter voran. Der Liv-ex 100 Fine Wine Index in London, der wichtigste Indikator der Branche, erreichte am 30.November die Marke von 235,13 Punkten ein Plus gegenüber dem Vormonat von 0,4 Prozent. Damit ist er seit Anfang des Jahres um 14,7 Prozent gestiegen und weisst auch im Jahr zu Jahr Vergleich ein Plus von 12,2 Prozent auf. Zwei andere, nicht so sehr auf Bordeaux fokussierte sondern breiter aufgestellte Indizes, der Fantasy Cellar und der Liv-ex 500, streben sogar bereits wieder nach neuen Höchstständen.

Dienstag, 01.12.2009

Rückkehr der Cru Bourgeois

Die Zukunft der Klassifikation „Cru Bourgeois“ scheint gesichert. Das neue Reglement wurde vom Landwirtschaftsministerium abgesegnet und am 24. November im Gesetzesblatt (Journal Officiel) veröffentlicht. Demnach werden aller Voraussicht nach Weine des Jahrgangs 2008 bei ihrem Erscheinen im Jahr 2010 das neue Signet tragen dürfen, wenn sie die entsprechende Prüfung durchlaufen und bestanden haben. Nach Angaben der Organisation L ´alliance des cru Bourgeois de Médoc bemühen sich derzeit rund 300 Châteaux um den Status. Bei der gescheiterten Klassifikation von 2003 hatten sich 490 beworben, von denen 247 den Status erhielten, der dann aber nach Einsprüchen annuliert werden musste. Voraussetzung für das Wiedererlangen der Bezeichnung Cru Bourgeois ist eine Bestätigung durch eine unabhängige Jury, die die Weine verdeckt probieren wird. Diese professionelle Blindprobe wird im kommenden Jahr erstmals stattfinden. Einige der ehemals klassifizierten Gewächse wie Château Labégorce und Château Labégorce-Zédé haben bereits angekündigt, sich nicht daran beteiligen zu wollen.

Aromatische Stärke

Das Conseil der Weine von Saint-Emilion, Pomerol und Fronsac hat heute eine neue Einschätzung des Jahrgangs 2009 veröffentlicht und bezeichnet ihn darin als „hervorragend“, „vielversprechend“ und „ausgewogen“. Das ideale Zusammenspiel aller Elemente habe beim Jahrgang 2009 zu einem bemerkenswerten Ergebnis geführt und lässt „wunderbar ausgewogene Weine“ erwarten. „Schon die Moste waren von unglaublicher aromatischer Stärke. Nach dem Gären, Einmaischen und Keltern bestätigte sich bei den ersten Verkostungen der Jungweine Weine die vielversprechende Qualität, wie man sie schon bei der Lese erahnen konnte. Die Weine sind von reinem aromatischen Ausdruck, besitzen Kraft und Komplexität wie selten noch. Sie hinterlassen einen kräftigen, runden und ausgewogenen Eindruck. Die Struktur der Weine tritt nicht übertrieben hervor, die reifen Gerbsäuren sind füllig und saftig und ein sicheres Anzeichen dafür, dass die großen Lagen von Saint-Emilion-Pomerol-Fronsac erneut einen hervorragenden Wein hervorgebracht haben.“

Dienstag, 17.11.2009

Château de Pez neues Mitglied der Union des Grand Crus

Die Union des Grands Crus de Bordeaux (UGCB) hat Château de Pez als neues Mitglied aufgenommen und umfasst damit 128 Betriebe. Das als Cru Bourgeois Exceptionelle klassifizierte Weingut liegt in der Appellation Saint Estèphe. Es gehört zum Portfolio des Champagnerhauses Louis Roederer. Ausser Château de Pez besitzt Roederer in Bordeaux noch Château Haut Beausejour in Saint Estèphe, Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Château Bernadotte sowie in Südafrika das Weingut Glenelly, Adriano Ramos Pinto in Portugal und die Domaines Ott in der Provence.



Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Reims hatte Château de Pez, dessen Geschichte bis ins 15,. Jahrhundert zurückreicht, im Jahr 1995 gekauft und seither das Château samt Keller und Weinberge grundlegend saniert. Bei ihrem Besuch im Juni dieses Jahres zeigte sich die Aufnahmekommission der UGCB beeindruckt von dem erreichten Qualitätslevel. Bei der Beitritts-Abstimmung erhielt Château de Pez eine beeindruckende Mehrheit der Stimmen. „Wir sind natürlich große Pez Fans“, so Champagne Louis Roederer Generaldirektor Frédéric Rouzaud, „deshalb ist es für uns eine noch größere Ehre, unsere Bemühungen um das Weingut durch die Mitgliedschaft in der Union des Grands Crus de Bordeaux gewürdigt zu wissen.“

Samstag, 07.11.2009

Begeisterung bei Vignobles Dourthe

In einem ersten ausführlichen Jahrgangsbericht sind die verantwortlichen Winemaker von Vignobles Dourthe Guillaume Pouthier und Frédéric Bonnaffous voll des Lobes für den Jahrgang 2009. Die Lese wurde am 22. Oktober beendet. Château Belgrave in Haut-Médoc war der letzte Weinberg, der gelesen wurde. Guillaume Pouthier spricht z.B. von einem sehr grossen Wein auf Château La Garde in Pessac-Léognan und Frédéric Bonnaffous meint dass man auf Château Le Boscq in Saint-Estephe den 2003er übertreffen werde. Zuckergehalt der Trauben und Tannine seinen überall ausgewogen und sehr reif bei genügend Säure und guter Struktur. Der erste Geschmackseindruck des Mostes verspreche reiche und sehr intensive Weine . Begeisterung zeigen die beiden speziell über die Qualität der spätgelesenen Cabernet Sauvignons und vor allem des Petit Verdots („very expressiv, huge potential“) bei Le Boscq und Belgrave.

Freitag, 30.10.2009

Ideales Erntewetter

Die aktuellen Zahlen von Meteo France belegen jetzt wie aussergewöhnlich günstig sich in diesem Jahr auch der Monat September für die Winzer in Bordeaux gestaltet hat. Die Summe der Sonnenscheinstunden lag demnach im September bei 233.49. Das sind 50 Stunden mehr als im 30jährigen Durchschnitt. Dagegen lagen die Niederschläge mit 48.6 mm ca. bei der Hälfte des 30-Jahreschnitts von 90.3 mm. Das kann man wohl mit Fug und Recht als ideales Erntewetter bezeichnen zumal sich diese Wetterlage bis weit in den Oktober hinein fortsetzte.

Mittwoch, 28.10.2009

Mit Bordeaux im Orient-Express unterwegs

Gestern machte der Degustations-Express der Syndicate Bordeaux/Bordeaux Supérieur in Hamburg Station auf seiner Tour durch Deutschland und die Niederlande. Während einer dreistündigen Bummelfahrt durchs nächtliche Norddeutschland konnte man im nostalgischen Ambiente eines Orientexpress Weine dieser beiden Basis Appellationen verkosten und später in den plüschigen Restaurant-Waggons zu einem opulenten Teller mit Charcuterie und Fromage geniessen.



Im Publikum: Händler, Caterer, Kellner, Sommeliers auch drei Wein-Onliner, Fachjournalisten gerademal zwei. Viel Aufwand und eine witzige Idee, aber (nicht nur) ich habe mich gefragt, ob deshalb eine einzige Flasche dieser Weine mehr in Deutschland verkauft wird als bisher. Man war dabei, hat sich´s gut gehen lassen und das war´s dann wohl schon auch. Effektives Weinmarketing sieht heute anders aus.

Mittwoch, 21.10.2009

Laser-Kamera statt Handarbeit

Über die neuesten High-Tech Trends in Bordeaux berichten Jane Anson und Panos Kakaviatos im Decanter. So wurden bei Château Pavie und Château Grand Corbin Despagne die ersten Sortierroboter installiert, die eine spezielle optische Laser-Kamera zur Kontrolle des Traubengutes benutzen. Dagegen setzt beispielsweise Château Angélus weiter auf Handarbeit. 50 behandschuhte Hilfskräfte haben dort die Trauben abgebeert und sortiert. Eine Prozedur die sich mit Kosten von rund zwei Euro pro Flasche niederschlägt. In fünf Jahren, davon ist Pavie-Besitzer Gerard Perse überzeugt, wird dies kein Thema mehr sein und die neue 100-000 Euro teure Laser-Technik das manuelle Sortieren ablösen.


Sonntag, 18.10.2009

"NullNeun" wird das Jahr der Chinesen

Einige Experten des internationalen Weinhandels wie Bergitta Reiss, Chefin des Online-Handelshauses Château Classic in Bordeaux, oder James Miles, Geschäftsführer von Liv-ex in London, sind der Ansicht, dass in Bordeaux 2009 das „Jahr der Chinesen“ sein wird. Vieles spricht dafür, dass diese Prognose Realität werden könnte. Sollte der Jahrgang 2009 tatsächlich alle jetzt in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen, wäre der “Nullneuner“ der prestigeträchtigste Jahrgang mit der Endziffer 9 seit Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 noch über 1959 und 1989. Den Gesetzen des chinesischen Prestigedenkens zufolge wäre er damit der ideale Wein um in zehn oder 20 Jahren den 70. und 80. oder vielleicht sogar 2049 den 100. Geburtstag des Landes zu zelebrieren. China-Kennerin Bergitta Reiss: „Man sollte solche emotionalen Momente nicht ausser Acht lassen.“ Bislang waren chinesische Käufer vor allem an grossen älteren Jahrgängen aus Bordeaux interessiert. 2009 könnte zum ersten Jahrgang werden, bei dem sie sich im kommenden Frühjahr auch en primeur in grossem Stil engagieren könnten mit unabsehbaren Folgen für die Preisgestaltung.

Donnerstag, 15.10.2009

Die Tour de France 2010 erstmals im Médoc

Zum ersten Mal wird 2010 die Weinbaugemeinde Pauillac im Médoc Zielort einer Etappe der Tour de France sein. Auf der vorletzten Etappe der 97. Frankreich-Rundfahrt führt ein schweres, 51 Kilometer langes Einzelzeitfahren am 24. Juli von Bordeaux durch die Weinberge des Médoc nach Pauillac. Am Tag davor wird Bordeaux selbst erstmals wieder nach sieben Jahren Pause Zielort einer Touretappe sein. Sie führt von Salies de Bearn am Fuss der Pyrenäen über 190 Kilometer in die Hauptstadt des Departements Gironde. Als 2003 bei der Jubiläums-Tour Bordeaux zuletzt Ankunftsort war, gewann der Niederländer Servais Knaven die Etappe. Der Sprint Royale von Bordeaux gilt als die zweitschönste und prestigeträchtigste Ankunft für Sprinter der Tour neben dem Finale auf der Pariser Champs-Elysees. Die Zielgerade auf den Quais entlang der Garonne und den prachtvollen Fassenden aus dem 18. Jahrhundert ist das klassische Tour-Terrain für einen Massenspurt: eine gerade Strecke von mehr als einem Kilometer Länge und bis zu neun Metern Breite entlang mit reichlich Platz für Zehntausende von Zuschauern auf beiden Seiten. Bordeaux ist hinter Paris der am zweithäufigsten angesteuerte Zielort einer Tour-Etappe und gehörte auch zum Etappenplan der ersten Tour im Jahr 1903. Rolf Wolfshohl 1970, Didi Thurau 1977 und Erik Zabel 1995 und 1997 feierten hier Tagessiege für Deutschland. Die meisten Etappen in Bordeaux gewann mit vier Siegen der legendäre Eddy Merckx. Eine Liste aller Etappensieger in Bordeaux gibt es hier.

Freitag, 09.10.2009

Le Monde: le premier grand millésime du XXIe siècle

In ihrer heutigen Ausgabe beschäftigt sich mit der französischen Tageszeitung Le Monde auch erstmals eines der meinungsführenden nationalen Blätter des Landes mit der aussergewöhnlichen Qualität des Jahrgangs 2009 in Bordeaux. Kernsatz des ausführlichen Reports: Alle Bedingungen sind vereint, um aus dem Jahrgang 2009 den ersten „grand millésime“ des 21. Jahrhunderts zu machen mit einer Qualität wie es sie seit Ende der 1940er Jahre nicht mehr gegeben hat.“ Damit stellt Le Monde den Jahrgang 2009 über 2005, den bislang besten Jahrgang der Dekade. Denis Dubourdieu, der Direktor des l'Institut des sciences de la vigne et du vin (ISVV) in Bordeaux, wird zitiert mit der Aussage; dass es einen Jahrgang dieser Qualität allenfalls sieben bis acht Mal pro Jahrhundert gibt. Und der Negociant Jean-Christophe Estève kommt zu Wort mit der Aussage, einen derart schönen Monat September habe es in Bordeaux seit 1949 nicht mehr gegeben.

Dienstag, 06.10.2009

Ernte-Impressionen (6): Château Canon La Gaffelière

Auch der bislang eher abwartende und vorsichtige Stephan Graf Neipperg kommt langsam aus der Deckung und ins Schwärmen: „Um mich herum brummen die Maschinen und Schlepper die kräftig dabei sind ihre Ernte einzufahren.“ schrieb er mir vor einigen Tagen in einer Email aus Bordeaux. „Wenn wir heute lesen machen wir einen großen Jahrgang, wenn wir warten, können wir einen bedeutenden machen, der in die Geschichte eingehen wird!!!!“


La Mondotte: flinke Hände am Sortierband (table de tri)

Ernte-Impressionen (5): Cabernet franc



So sieht reifer Cabernet franc aus: die letzten Beeren, die heute auf Château La Tour Figeac geerntet wurden. Otto Rettenmaier ist zum Ernteschluss rundum zufrieden: „Der beste Cabernet franc, den ich je gelesen habe. Der potentielle Alkohol liegt bei 13 bis 13,5 Prozent und nach wie vor nicht die geringste Spur von Fäulnis.“

Ernte-Impressionen (4): Château Figeac



Endspurt im Weinberg. Vor der Kulisse von Château Figeac am westlichen Rand des Plateaus von Saint Emilion begegnen sich die Hänger der beiden Nachbargüter Château La Tour Figeac und Château Figeac bei der Cabernet Ernte, die hier langsam dem Ende zugeht.

Montag, 05.10.2009

Rekordpreis für Pétrus

Bei einer zweitägigen Auktion am Wochenende in Hong Kong erzielte das britische Auktionshaus Sotheby´s einen Umsatz von 7,9 Millionen Dollar. Der Erlös lag damit um 28 Prozent über den Schätzpreisen. Den höchsten Preis erzielte eine 6-Liter-Imperiale des Jahrgang 1982 von Chateau Petrus. Mit 93,000 Dollar wurde ein neuer Weltrekord für eine derartige Grossflasche von Pétrus aufgestellt. Die Raritäten stammten aus den Kellern von zwei unbekannten amerikanischen Sammlern. 99 Prozent der Käufer kamen nach Angaben des Auktionshauses aus dem asiatischen Raum. Serena Sutcliffe, Chefin des International Wine Departments von Sotheby's, wird von der britischen Nachrichtenagentur Reuters mit dem Satz zitiert: "Hong Kong ist damit für Sotheby´s der wichtigste „fine wine“-Handelsplatz für noch vor New York und London."

Mittwoch, 30.09.2009

Gleichmässige Reife in Pauillac

Auch im Médoc sind die meisten Güter inzwischen mitten in der Lese. Andrew Black sprach in Pauillac mit Julien Benquet (29), seit zwei Jahren Weinbergsmanager von Château Pichon Comtesse de Lalande. Er wechselte im November 2007, nachdem Roederer das Château von May-Eliane De Lenquesaing erworben hatte, von Château Réaut La Gravière in der Appellation Premières Côtes de Bordeaux, das ebenfalls Roederer gehört, zu Pichon. Auch dieses Interview drucke ich hier im englischen Original ab:



FRAGE: You’ve just come back from a tour of the vineyard with Denis Dubourdieu and the Pichon technical team. The picking of the Merlot is now in full swing. What’s the mood of the team?

BENQUET: We’re all very excited. This is only my second harvest at Pichon, and so I cannot look back very far, but you can see that this vintage is something special. The ripeness levels are amazing -and the vines are still in perfect shape.

FRAGE: The general impression has been that the conditions in the 2009 growing season were close to perfection for the vines. As a vineyard manager, can you really say it has been as good as that?

BENQUET: We couldn’t have asked for better. The weather has been ideal. It was perfect during the flowering, which of course is very important, and it has continued that way right up to and even during the ripening period. We haven’t had much rainfall – just 50mm over the last two months.

Dienstag, 29.09.2009

Auch Pierre Lurton vergleicht 2009 mit 1947

Vor einer Woche führte der britische Weinhändler Andrew Black ein ausführliches Gespräch mit Pierre Lurton, dem Manager von Château Cheval blanc in Saint Emilion, das er heute in seinem Pressedienst veröffentlicht hat. Darin schildert Lurton seine Einschätzung des Jahrgangs 2009, den er potentiell für noch besser hält als 2005 und für den er gewisse Parallelen sieht zum legendären Jahrgang 1947, dem nach Ansicht vieler Kenner und Experten besten Cheval blanc aller Zeiten. Sollte er recht behalten, dann wäre da tatsächlich ein Wein unterwegs, dem man das Prädikat „Jahrhundert“ verleihen könnte. Ich drucke hier das komplette Interview im englischen Original nach.

FRAGE: Today is September 23rd, the picking is underway at Cheval Blanc. After that gorgeous summer weather you must be dreaming about a legendary Cheval Blanc vintage...

LURTON: It was indeed a legendary summer! Dream weather! If only we could have a summer like that every year! Though I suppose that would deprive us of the diversity we have in each vintage.

FRAGE: Then why are growers in Bordeaux chopping and changing their minds about when to pick?

LURTON: The summer was ideal. It brought the grapes gently towards full ripeness. The weather was dry, which meant the bunches remained in a perfect state of health. So what’s going on now exactly? Well, since the beginning of September the dry weather has created a certain water deficit stress in the vines, which has concentrated the juice and the sugar but at the same time held back the ripening of the tannins. That was the situation leading up to last weekend before it rained, and that was why people were waiting.

Samstag, 26.09.2009

Ernte-Impressionen (3): Château Angélus

Bei leichtem Frühnebel begann am Freitag um neun Uhr morgens auch auf Château Angélus in Saint Emilion die Weinlese für den Jahrgang 2009. Mit 20 Erntehelfern wurde die erste Merlot-Anlage in dem am weitesten westlich gelegenen Teil des Weinbergs von Angélus gelesen. Für das Sortieren der Trauben standen im Kelterhaus dann ebenfalls 20 erfahrene Helfer bereit.



Angélus-Besitzer Hubert de Boüard de Laforest äusserte sich zum Lesebeginn auch mit einer vergleichenden Einschätzung der Qualität: „Es ist richtig, dass die Säurewerte in diesem Jahr niedrig liegen, aber da ist nun mal der wesentliche Charakterzug für grosse Jahre wie 1961 und 1982. Auch wenn jetzt überall Vergleiche gezogen werden zu 2005, 2003 oder auch 1989, es wird ein ganz eigenständiger, von den genannten Jahrgängen verschiedener Jahrgang werden. Viele Faktoren sind ähnlich zu 1982. Aber wir müssen dabei berücksichtigen, dass wir heute einen wesentlich höheren Standard beim Weinbergsmanagement haben.“

Donnerstag, 24.09.2009

Ernte-Impressionen (2): La Tour Figeac

Inzwischen haben praktisch alle Châteaux ob gross oder klein auf den Plateaus von Saint Emilion und Pomerol mit der Lese ihrer Merlot-Trauben begonnen. In der kommenden Woche wird sich angesichts der guten Reife die Lese der Cabernets wohl unmittelbar anschliessen.



Im Weinberg von Château La Tour Figeac ist die Mannschaft des Weingutes zusammen mit 25 externen Erntehelferm aus der Region alle Hände voll zu tun; denn durch die morgendlichen Hochnebel, die teilweise bis zur Mittagszeit halten, sind die Tage schon recht kurz geworden.



Die Mostgewichte des Lesegutes entsprechen ca. 13 bis 14 % Vol. potentiellem Alkohol. Die Trauben sind absolut kerngesund und der Ertrag dürfte innerhalb der Grenze von 40 bis 45 hl/ha bleiben. Otto Rettenmaier ist so überzeugt von der Qualität des lesegutes, dass er davon ausgeht, dass es vom Jahrgang 2009 möglicherweise keinen Zweitwein geben wird. Rettenmaier: „Was wir bis jetzt gelesen haben, ist alles tauglich für den Grand Vin“.

Ernte-Impressionen (1): Le Pin



Gestern Nachmittag wurde der knapp zwei Hektar grosse Weinberg des Kultweins von Le Pin in Pomerol gelesen. Dank der tatkräftigen Hilfe der Lesemannschaft von Vieux Château Certan war das in knapp zwei Stunden erledigt. Die Tische für das Sortieren der Trauben stehen dort mitten im Weinberg. Jacques Thienpont ist hier gerade auf dem Weg das Ergebnis der Lese mit dem Traktor in den neuen Keller von Le Pin zu bringen. Der wurde vis a vis des alten Gebäudes in einem ehemaligen Privathaus eingerichtet. Nach der Füllung des Jahrgangs 2008 soll der legendäre, alte Garagenkeller abgerissen werden.

Mittwoch, 23.09.2009

Normale Erntemenge

Nach einer Meldung von La Depeche rechnet die Bordelaiser Weinwirtschaft für den Jahrgang 2009 jetzt mit einer Erntemenge von 5,8 Millionen Hektoliter. Das wäre deutlich weniger als die Schätzung des Pariser Landwirtschaftsministerium aus dem August, die noch bei 6,4 Millionen Hektoliter lag. Die Erntemenge würde damit um ca. 18 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahr (4,89 Mio. hl). Dies entspräche aber einer normalen Durchschnitternte, wobei laut Bernard Farges, dem Präsidenten des Syndicat viticole des Bordeaux et Bordeaux supérieurs, das Ergebnis bei den Weissweinen mengenmässig etwas unterdurchschnittlich sein wird.

Dienstag, 22.09.2009

Ideales Erntewetter

Nach den vereinzelten Regenschauern des vergangenen Wochenendes kehrte heute auf den Punkt genau der Spätsommer zurück nach Bordeaux. Für die kommenden Tage in denen überall die Hauptlese für die roten Sorten beginnt, sagt die Wetterprognose leichte Morgennebel mit anschliessendem strahlenden Sonnenschein und Tages-Höchsttemperaturen zwischen 23 und 28 Grad voraus dabei kühle Nächte um die 13 Grad. Ideales Erntewetter.

Oenologen erwarten einen makellosen Jahrgang

Die fünf beratende Oenologen Antoine Medeville, Edouard Massie, Henri Boyer, Arnaud Chambolle und Marion Fouchon-Lapeyrade der Vereinigung Oenoconseil mit Sitz in Pauillac, Preignac, Beychac und Caillau haben heute zum beginn der Hauptlese in einem Communique eine Einschätzung des Jahrgangs 2009 veröffentlicht. Dafür wurden von ihnen in allen wesentlichen Teilen des Bordelais Hunderte von Proben vor allem der beiden roten Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon untersucht. Danach kamen sie zu folgenden und sind zu folgendem Ergebnis genkommen:
„… des degrés potentiels élevés (richesse en sucre), une acidité déjà basse (signe de bonne maturité), un potentiel anthocyanes magnifique (potentiel couleur), des pépins déjà croquants qui demandent juste encore quelques jours de beau temps pour devenir torréfiés et apporter au futur vin une complexité dans sa trame de tanin.“
Seit Beginn ihrer Arbeit hätten sie noch nie eine derart komplette, gleichmässig auf alle Teile des Bordelais ausgedehnte Reife der Trauben gesehen. Der Gesundheitszustand des Traubenmaterials sei absolut makellos. Nach ihrer Ansicht könne man den Jahrgang 2009 am ehesten mit 2005 vergleichen.

Freitag, 18.09.2009

Stephan Graf Neipperg sieht ein grosses Qualitätspotential

Kurz vor Erntebeginn habe ich Stephan Graf Neipperg von Château Canon La Gaffelière in Saint Emilion einige Fragen zum bevorstehenden Jahrgang 2009 und zur aktuellen Situation für die Primeurverkäufe des Jahrgangs 2008 in Bordeaux gestellt, die er mit aller gebotenen Vorsicht beantwortet hat. Er sieht zwar einerseits ein grosses Qualitätspotential, warnt aber vor zu früher Euphorie. Bekanntlich gehört er zu denjenigen, der in seinen Weinbergen sehr stark auf hohe Reife achtet und als einer der letzten ernten lässt. Daher auch sein Fazit: wait and see!


FRAGE Wie ist Ihre derzeitige Einschätzung zum Jahrgang 2009, qualitativ und mengenmässig?

NEIPPERG Bisher - aber das bitte nicht als sicher hinstellen, eine Ernte ist sicher wenn sie im Keller ist und da sind wir noch nicht - sehe ich ein grosses Qualitätspotential, noch recht tiefe PH-Werte, gute Säuren, aber schon recht viel Zucker (über 90 Öchsle). All das ist nicht so wichtig, da wir uns nur in quantitativen Ebenen bewegen. Viel wichtiger ist die Kleinbeerigkeit der Trauben und jetzt schon sehr grosse aromatische Vielschichtigkeit. Die Kerne haben schon eine sehr gute Verfärbung und neigen schon zu einem Nusstasting. Das Farbpotential ist riesig, aber wir haben bisher natürlich keine phenologische Reife.

Donnerstag, 17.09.2009

Lese ist in vollem Gange

Inzwischen wird in fast allen Appellationen des Bordelais und des Libournais gelesen und die uneingeschränkt positiven bis begeisterten Stimmen zum Jahrgang 2009 in Bordeaux mehren sich. In einem Beitrag für den „2009 harvest winemakers' blog“ des Wine Spectators in New York sprechen jetzt auch Alexander Van Beek (Château Giscours und Château du Tertre) sowie Veronique Sanders (Château Haut-Bailly) vom Jahrgang 2009 als von einem „Promising Year in Bordeaux“. Thibault Despagne spricht in einem Kommentar zu einem Video-Beitrag in seinem Blog von einem „ausgezeichnetem Erntewetter und reifen Trauben – was will man mehr? Und bei YouTube habe ich ein Video gefunden über den Erntebeginn auf Chateau Lafon Rochet in Saint Estèphe.

Mittwoch, 16.09.2009

Lesebeginn in Pomerol und St. Emilion


Nach dem bereits am 10. September Château Haut-Brion in Pessac-Leognan die ersten Merlot-Trauben geerntet hat, hat jetzt auch in den Weinbergen von Saint Emilion und Pomerol die Lese des Jahrgangs 2009 begonnen und damit noch um einige Tage früher als ursprünglich erwartet. Den Anfang machten die Pomerol-Châteaux Evangile und La Conseillante, die bereits am Wochenende (11. und 12. September) die ersten Trauben aus Junganlagen geerntet haben. Am Dienstag folgten dann Château Cheval Blanc in Saint-Emilion und Château La Tour Figeac. Überall sind die Helfer wie hier an einem der Sortiertische bei Cheval blanc bereits fleissig bei der Arbeit. Angesichts der guten Qualität und des sehr gesunden Lesegutes ist dieser Arbeitsvorgang allerdings nicht annähernd so aufwendig wie in den vergangenen drei jahren. Der Beginn der Haupternte auf dem rechten Ufer dürfte auf Anfang nächster Woche fallen. Via Twitter hat auch Château Palmer in Margaux den Lesebeginn für seinen Merlot für die kommende Woche angekündigt.

In Reih und Glied . . .


. . . so warten die Trauben im Weinberg von Château La Tour Figeac in Saint Emillion auf die Erntehelfer. Sauber geputzt um auch noch den letzten Sonnenstrahl einzufangen. Der potentielle Alkohol des Lesegutes liegt bei 13,5 bis 14 % vol.. Besitzer Otto Rettenmaier ist stolz auf das Ergebnis der perfekten Weinbergsarbeit: „Bis jetzt ist noch keine einzige Beere faulig.“ Er hat sich für Planet Bordeaux mal bei älteren Winzern der Region umgehört und diese vergleichen den Jahrgang 2009 jetzt eher mit 1990, der auch durch heisses und sehr trockenes Wetter auffiel, als mit 2000 und 2005.

2009 als Rettungsanker in der Krise ?

Auf der Seite von Echos judicaires analysiert Eric Moreau die möglichen Auswirkungen dieses Jahrgangs auf die anhaltende Absatzkrise, die sich in einem extrem niedrigen Fassweinpreis von 750 Euro für das tonneau (900 l) beim Rotwein niederschlägt. 2009 könnte angesichts der erwarteten Qualität zu einem Wendepunkt werden: Les viticulteurs bordelais ont du vin sur les bras

Donnerstag, 03.09.2009

Der Markt für Spitzenweine stabilisiert sich

Der Fine Wine Markt speziell für die Premier Crus aus Bordeaux hat sich angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise nach einem ersten Schock Ende vergangenen Jahres, der im vierten Quartal zu einem Absturz der Preise führte, in den ersten acht Monaten dieses Jahres erholt und sich als erstaunlich stabil erwiesen. Der Preisbarometer des Londoner Liv-ex 100-Weinindex ist in diesem Zeitraum um zehn Prozent gestiegen. Er notierte am 31. August bei 225,45 Punkten. Das entspricht einem Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vormonat.



Damit ist er zwar noch gut 40 Punkte von seinem historischen Höchststand entfernt, aber meine Prognose, dass die 200-Punkte-Linie halten und sich als sehr stabil erwiesen würde, ist eingetroffen. Auch behielten diejenigen Analysten Recht, die eine Trendwende für den Februar prognostizierten. Tendenziell halte ich in den nächsten Monaten einen weiteren langsamen Anstieg für sehr wahrscheinlich und nenne mal für Ende des Jahres vorsichtig ein Kurziel von 240 (+).

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Performance des Lafite-Index, den der Liv-ex vor einem Monat erstmals veröffentlichte, der die Preisentwicklung jüngerer Jahrgänge (2000 – 2006) von Château Lafite-Rotschild und Carruades de Lafite seit 2004 abbildet.

Mittwoch, 02.09.2009

Schwarzes Jahr für Bordeaux

In den letzten 18 Monaten ist der Export von Weinen aus Bordeaux dramatisch eingebrochen. Die Menge der exportierten Weine ging im vergangenen Weinwirtschaftsjahr (Juli 2008 - Juni 2009) um 16 Prozent auf 1,617 Millionen Hektoliter zurück. Diese Zahlen hat das Conseil interprofessionnel du vin de Bordeaux (CIVB) heute veröffentlicht. Bernard Farges, Präsident des Syndicat Viticole des Bordeaux et Bordeaux Supérieur, sprach auf der Pressekonferenz von einem „schwarzen Jahr für die Bordelaiser Weinwirtschaft“. Und im ersten Halbjahr 2009 setzt sich der Trend offenbar fort mit einem historischen Minus von 27,5 Prozent. Diese Zahl wurde von der Vereinigung der Weinexporteure (FEVS) veröffentlicht. Siehe den ausführlichen Bericht im Blog der Berliner Weinakademie. Am stärksten ging der Export Bordelaiser Weine in traditonellen Schlüsselmärkten wie Grossbritanninen (-25 %) und USA (-23 %) zurück. Am grössten war der Einbruch auf dem russischen Markt mit minus 33 Prozent. In Deutschland und Belgien lag der Rückgang „nur“ bei 16 Prozent. Dagegen hielt der Boom für die Bordelaiser Weine in Fernenost an. Die Exporte nach China stiegen um 62 Prozent und nach Hongkong um 16 Prozent.

Dienstag, 01.09.2009

Auch auf Haut-Brion hat die Lese begonnen

Gestern (31. August) hat auch auf Château Haut-Brion die diesjährige Weinlese begonnen. Um 7.30 h morgens begannen die Erntehelfer in der Parzelle Pinson-Sapinette mit der Lese der Trauben der Sorten Sauvignon blanc und Sauvignon gris. Der Zuckerhgehalt der Trauben lag bei potentiellen 14 Grad Alkohol. Die Qualität der Trauben sei ähnlich wie in den Jahren 2005 oder 2000.

Samstag, 29.08.2009

Ein Wein mit langem Atem

Man kann über Robert Parker denken und sagen, was man will, und ich habe gerade während der diesjährigen Primeurkampagne mich sehr kritisch zu seinen Bewertungen geäussert. Vieles davon kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Aber wenn der Mann recht hat, dann hat er recht. Und manchmal kommt auf aufgrund seines grossen Erfahrungshorizontes und seiner unbestreitbaren degustatorischen Fähigkeiten und seines Gedächtnisses zu Urteilen, die man nur als phänomenal bezeichnen kann. Der Wein, den ich heute im Glas hatte, machte dies einmal wieder sehr deutlich. Es handelte sich um eine 1/1-Flasche des Jahrgangs 1975 von jenem Château Grave Tringant de Boisset aus Pomerol, dessen Jahrgang 1961 mich bereits vor einige Zeit aus einer halben Flasche entzückt hat. Parkers Vermutung von 1998, dass “manche der 1975er eine Verwandtschaft zu den 1928er zeigen und erst nach 30 Jahren und mehr ihre volle Reife entfalten werden“, bestätigt dieser fast 35 Jahre alte Wein auf bemerkenswert Weise.

Füllstand: perfekt. Keinerlei Schwund.
Kapsel: relativ lange, rote Kapsel mit Prägung und seitlichem weissern Aufdruck MISE EN BOUTEILLE AU CHATEAU
Kork: Gut durchfeuchtet und im oberen Teil sehr elastisch, aber im untern Teil etwas bröselig und daher beim Herausziehen auseinandergebrochen. Korkbrand gut zu lesen.
Etikett: Sehr angegriffen und teilweise eingerissen u7nd abgeschabt wie nach eine Wasserschaden. Aber alle wesentlichen Datensind klar zu erkennen und zu lesen:

1975 CHATEAU LA GRAVE TRIGANT DE BOISSET
POMEROL CHRISTIAN MOUEIX, Propriértaire
MIS EN BOUTEILLE AU CHATEAU, PRODUCE DE FRANCE, 73 cl

1975 Château Grave Trigant de Boisset

Eine schöne, rubinrote Farbe von mittlerer Tiefe, am Rand etwas aufhellend mit Granat-Orangereflexen. Wenig, staubfeines Depot. In der Nase zunächst sehr reife Kirschfrucht und rote Beeren, dann schnell erdige Nuancen, Unterholz. Herbstlaub, etwas wilder Fenchel, etwas Zimt und Pflaumenkompott. Am Gaumen geprägt von einer nach wie vor kräftigen Säure, kernigen Tanninen, noch sehr robust und keineswegs ausgereift. Noch voller Leben, rote Beerensüsse und zugleich Strenge. Im Abgang sehr schöne Anklänge von Bitterschokolade und Brandy-Kirsche. Wenn das alles eines Tages vollends zusammengefunden haben wird, dürfte dies ein wunderbar zarter und eleganter Wein werden. 90/100

Freitag, 28.08.2009

Sehr früher Beginn der Weissweinlese

In den Weinbergen nahe Bordeaux haben die ersten Winzer gestern (27. August) mit der Lese ihrer weissen Trauben begonnen, knapp zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr. Damals hatte die Weissweinlese am 5. September begonnen. Dies teilte ein Sprecher des Weinwirtschaftsverbandes in Bordeaux (CIVB) mit. Den Anfang machte Château Carbonnieux. Dort erntete man die ersten Partien des Sauvignon blancs mit sehr guter Qualität. Château Haut-Brion kündigte an, diesem Beispiel in der kommenden Woche folgen zu wollen. Olivier Bernard aus Pessac-Leognan bezeichnete die Qualität des Jahrgangs 2009 als exceptionell und verglich ihn mit 2005. Gleichzeitig korrigierte das Landwirtschaftsministerium in Paris seine Ernteschätzung. Der Ertrag der Lese werden Bordeaux voraussichtlich um ein Drittel höher liegen als im Vorjahr.

Winzer rechnen mit einem „bon millésime“

Auch im Online-Weinportal des Sud Ouest „Terre de Vins“ haben sich jetzt erste Winzer vorsichtig zur erwarteten Qualität des Jahrgangs 2009 geäussert. Interessant finde ich den Vergleich von Jean Francisco, Besitzer von Château de la Croix à Ordonnac, der die Auffassung vertritt, man dürfe nach dem heissen, trockenen August mit einem ähnlichen Produkt rechnen wie 2003 aber ausgewogener und feiner. Das wäre dann ganz sicher das, was man einen „bon millésime“ nennt. Die Winzer berichten von sehr gesundem Traubenmaterial, hohen Zuckerkonzentrationen. Einige stehen bereits in den Startlöchern für die Ernte, wollen bereits in der kommenden Woche erste Probelesen machen, andere sind zögerlich und planen nach dem Mond- und Gezeitenkalender erste Ende des Monats September mit der Lese zu beginnen.

Donnerstag, 27.08.2009

Bordeaux ist Thema Nr. 1 bei talk-about-wine

Im grössten deutschen Online-Weinforum talk-about-wine.de ist nach wie vor Bordeaux das alles beherrschende Thema. Von den 20 meistgelesenen Threads beschäftigen sich zehn mit den verschiedenen Jahrgängen in Bordeaux. Ingesamt wurden diese zehn Diskussionsstränge bislang über 1 Million Mal aufgerufen. An der Spitze liegt mit 204.135 Seitenaufrufen und 1.311 Beiträgen eine Debatte um die Subskription des Jahrgangs 2005 gefolgt vom 2006er Thread und einem zweiten Thread zum Thema Arrivage 2005. Bereits jetzt hat die Diskussion um den Jahrgang 2009 begonnen und es gehört angesichts der aktuellen Berichte wenig Phantasie dazu um sich vorzustellen, dass diese Diskussion innerhalb der nächsten Monate schnell ebenfalls zu den meistgelesenen gehören wird. Talk-about-wine ist eine der wichtigsten und schnellsten Informationsquellen in deutscher Sprache für aktuelle Nachrichten, Trends und Meinungen zu Bordelaiser Spitzenweinen. Die wichtigsten Informationen über Punkte und Preise tauchen dort praktisch immer zeitgleich mit den wichtigsten Blogs und Twitter-Accounts auf. Das zu Beginn der Jahres 2003 gestartete Forum hat heute rund 3.000 registrierte Mitglieder, von denen knapp die Hälfte aktiv mitschreibt. Es beinhaltet mehr als 115.000 Beiträge in 57 Foren. Die Zahl der einzelnen Besucher liegt im Monat bei durchschnittlich 20.000, die Zahl der Pageimpressions schwankt derzeit zwischen 200.000 und 250.000.

Mittwoch, 26.08.2009

Das Phänomen Lafite

Wer Anfang dieses Jahres, als alle Welt vom Zusammenbruch des Fine Wine Marktes sprach, davon nicht beirren liess und in aktuelle Top-Jahrgänge des Premier Crus Château Lafite-Rothschild investierte, kann sich jetzt über satte Profite freuen. Dies zeigt jedenfalls der Lafite Price Index, den das Londoner Handelshaus The Antique Wine Company jetzt im Zusammenhang mit einer grossen Lafite-Offerte veröffentlichte.



Von Januar bis August kletterten demnach die Preise für einige hochbewertete Lafite-Jahrgänge zwischen zehn (2003) und an die 50 Prozent (2000). Dabei wurde die Subskriptions-Rallye für den Jahrgang 2008 aussen vorgelassen. Dieser Jahrgang notiert in diesem Index derzeit bei über 200 Punkten. Es dürfte in diesem Jahr wenige Investment-Varianten geben, die diese Performance toppen können. Finanzanalysten sprechen daher bereits vom „Lafite Phenomenon“. Angetrieben wurde dieser sensationelle Preisanstieg zunächst von starken Nachfragen von den asiatischen Märkten, vor allem aus China. Inzwischen hat der Lafite-Boom aber alle wichtigen Märkte erfasst und scheint anzuhalten; offenbar gibt es heute weltweit deutlich mehr Interessenten geben, die bereit sind „jeden Preis“ für diesen Wein zu bezahlen, als die rund 20.000 Kisten, die davon jährlich auf den Markt kommen.

An der Schwelle zu einem grossen Jahrgang

Die Bordelaiser Weinwirtschaft sieht sich an der Schwelle zu einem weiteren grossen Jahrgang. Nach dem Bilderbuch-August wagen sich jetzt die ersten Erzeuger in Bordeaux mit optimistischen Prognosen aus der Deckung. Erste Vergleiche mit dem Jahrgang 2005 sind zu hören und im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist das diesmal durchaus glaubhaft. So zitiert der Decanter u.a. Emmanuel Cruse (Château d'Issan) und Jonathan Maltus (Château Teyssier), die beide den bevorstehenden Jahrgang in die Nähe von 2005 rücken. Nach Berichten verschiedener Produzenten ist die Reife vor allem der roten Sorten in allen Subregionen sehr weit fortgeschritten. Der Reifevorsprung beträgt zwischen ein und zwei Wochen gegenüber normalen Jahren. So könnte die Hauptlese bei anhaltend schönem Wetter bereits Mitte September beginnen ähnlich wie 1945 (13. 9.), 1947 (15.9.) oder 1982 (13. 9).

Dienstag, 18.08.2009

Stéphane Derenencourt über den Jahrgang 2009

In der August-Ausgabe seines Newsletters veröffentlicht der britische Weinhändler Andrew Black ein Interview mit Stéphane Derenencourt, in dem der prominente Weinmacher und Consultant eine erste Einschätzung zum Jahrgang 2009 abgibt. Das Gespräch fand bereits am 22. Juli statt und berücksichtigt also noch nicht die positiven Wetterbedingungen des Monats August. Ich gebe hier einen Auszug des englischen Originals wieder:

FRAGE: So far, has the 2009 growing season been easier in the vines than 07 and 08?

SRENENCOURT: Yes, much easier in terms of disease threat. The spring was less rainy, less damp than the two previous springs.

Ein fast perfekter Sommer

Auch wenn viele Winzer in Bordeaux uns im vergangenen Jahr etwas anderes erzählt haben, der August ist und bleibt der für die Qualität eines Jahrgangs entscheidende Monat. Und ein Blick auf die aktuelle Wetterlage zeigt, dass in diesem Jahr alle Voraussetzungen gegeben sind um die alte Winzerregel Août fait le moût (der August macht den Most) für den Jahrgang 2009 zutreffen könnte. Die 90-Tage-Wettestatistik von Château Palmer zeigt einen bislang fast perfekten Sommer.



Seit Juni herrschten recht ausgewogene Verhältnisse, sehr warm, teilweise heiss mit wenigen, gut verteilten Niederschlägen. Die aktuelle Prognose sagt für den Beginn der dritten Dekade dieses Monats Temperaturen um 30 Grad und darüber sowie durchweg Sonnenschein voraus. Damit sollte der Grundstein für eine gute bis sehr gute Qualität gelegt sein. Nach den Papierdaten bis jetzt sicher besser als 2006, 2007 oder gar 2008. Qualitativ könnte das ähnlich 2000 oder 2001 werden oder auch nahe an 2005 herankommen. Lediglich längere Starkregenfälle im September bzw. während der Ernte könnten dies noch verwässern. Diese Gefahr bleibt allerdings noch für einige Wochen bestehen. Sieht man von den Gemeinden und Betrieben ab, die stark vom Mai-Hagel betroffen waren, rechnen die meisten Winzer mit einer Menge von ca. 80 Prozent. Es könnte also genau das heranreifen was Bordeaux und vor allem der Bordeaux-Handel dringend braucht, ein genussvoller Jahrgang mit guter bis sehr gute Qualität und ausreichender Menge.

Montag, 17.08.2009

LVMH übernimmt 50 Prozent an Cheval blanc

Der französische Luxuskonzern Louis Vuitton Moet Hennessy hat einen 50-Prozent-Anteil an dem Premier Grand Cru Classé Château Cheval blanc in St. Emilion übernommen und damit sein Portfolio an Super-Premium- und Icon-Weinen komplettiert. Zum Portfolio des Unternehmens gehören bereits andere Spitzenweingüter wie Château d´Yquem (Sauternes), Cape Mentelle (Australien) und Terrazas de los Andes (Argentinien). Gleichzeitig erwarb LVMH auch 50 Prozent an der Gesellschaft La Tour du Pin und Château Quinault L`Enclos. Arnault, Hauptaktionär und CEO von LVMH, gilt als reichster Mann Frankreichs. Er hatte Cheval-Blanc zusammen mit dem belgischen Milliardäre Albert Frère 1998 für 155 Millionen Euro gekauft. Der Decanter in London berichtet in diesem Zusammenhang über Spekulationen, dass LVMH möglicherweise plant seine Wein-, Champagner- und Spirituosensparte Moet Hennessy an den Londonern Getränke-Multi Diageo zu verkaufen, der 34 Prozent an LVMH hält.
Werbung
planet bordeaux




planet bordeaux
planet bordeaux