Mittwoch, 03.08.2005

Das Ende der Spekulation?

Unter der Überschrift ?Château Misère? berichtet die Wirtschaftsjournalistin Andrea Exler in der Online-Ausgabe der ZEIT über den Zusammenbruch des Marktes für Spitzenweine am Beispiel von Bordeaux und der Toskana. In der Szene stösst sie damit auf massiven Widerspruch z. B. im Weinforum talk-about-wine. Exlers verkürzte These lautet:
?Zwar ist der Anteil der Spitzenweine am Gesamtmarkt gering. In Bordeaux etwa, dem bekanntesten Anbaugebiet für edle Gewächse, zählen dazu rund 300 Weine ? bezogen auf die Menge entspricht das drei Prozent der Produktion dieser Region, bezogen auf den Umsatz zehn Prozent. In diesem Hochpreissegment abseits des Handels ? der sein Geld mit günstiger Massenware verdient ? ließen sich jedoch über Jahre Renditen erzielen, die auf den Kapitalmärkten schwer vorstellbar waren. Das amerikanische Fachblatt The Wine Spectator hat ausgerechnet, dass der Wert von Spitzenweinen von 1983 bis 2002 um 2012 Prozent stieg ? der Aktienindex Dow Jones stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 770 Prozent. Gewinne, die viele Investoren zu Winzern werden ließen ? und heute utopisch sind. Der Markt für Spitzenweine ist zusammengebrochen. Selbst renommierte Weingüter stecken in der Krise. Viele von ihnen mussten insbesondere in den vergangenen Monaten die Preise drastisch senken.?
Dabei ist der Autorin offenbar entgangen, dass klassifizierte Gewächse oder auch Garagen-Châteaux selbst bei Abschlägen von 50 Prozent gegenüber den übertriebenen Preisen der vergangenen Jahre noch immer mit Gewinn arbeiten. Nicht der Markt der Spitzenweine ist zusammengebrochen sondern der Markt der Allerweltsweine. Ausserdem hat gerade in dieser Situation die nächste Spekulationswelle bereits wieder begonnen nur mit anderen "Objekten der Begierde" und anderen Gewichtungen. Und was ein echter Weinspekulant ist, der redet sowieso nicht öffentlich darüber. Wenn Namen der neuen Favoriten erst in den Weingazetten und Publikumsblättern auftauchen, ist die Spekulation doch genau wie an der Börse längst gelaufen.
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