Samstag, 19.07.2008
Weinrallye #13: weniger ist manchmal mehr
Zehn Blogs gingen bei der 13. Weinrallye über die Ziellinie. Zwei, drei weitere hatten zwar eine Teilnahme angekündigt, kamen dann aber doch nicht aus der Boxengasse. Warum auch immer. Ferienzeit? Schwierigkeiten bei der Beschaffung eines geeigneten Weines? Desinteresse am Thema? Wer weiss? Die zugegeben nicht ganz einfache Aufgabe der 13. Weinrallye „Bordeaux Blends outside Bordeaux“ wurde dann aber von denen, die tatsächlich teilnahmen, als echte Herausforderung begriffen. Teilweise handelt es sich um sehr ausführliche Beiträge, in denen z.B. auch die Schwierigkeiten bei Suche detailliert beschrieben wurden wie von vinissimus oder auch Thomas Günther in weinverkostungen.de.
Die 14. Weinrallye, die heute von Susanne Melles im SanoViaBlog ausgeschrieben wurde, hat ein deutlich populäreres, aber auch durchaus reizvolles Thema: Weine zum Grillabend. Da dürfte die Beschaffung der Weine deutlich einfacher sein; denn da gibt es eigentlich in jedem Supermarkt oder auch beim Discounter schon den passenden Stoff.
Was die Zahl der teilnehmenden Blogs betrifft war „Bordeaux Blends outside Bordeaux“ also eher eine der kleineren Weinrallyes. Andererseits, wenn ich mir die teilweise sehr profund geschriebenen Texte durchlese, war es auch eine spannende und interessanteste Rallye. Manchmal ist weniger hat tatsächlich mehr. Von den teilnehmenden Blogs wurden elf Weine aus fünf Ländern vorgestellt. Neun aus Übersee, zwei aus Europa. Eindeutig vorn lag Südafrika mit fünf Weinen vor Australien mit drei Weinen und Argentinien, Frankreich und Italien mit je einem Wein. Die Mehrzahl der Weine wurde sehr positiv besprochen, keineswegs als billige Imitate dargestellt und teilweise recht hoch bewertet. Doch der Reihe nach.
Argentinien
Einziger argentinischer Wein war der Cheval des Andes, den Niko Rechenberg in seinen Weinwelten präsentierte. Hier gab es - ähnlich wie bei dem von mir ausgewählten Capaia - einen zusätzlichen Bezug zu Bordeaux; denn es handelt sich um einen Joint-Venture-Wein zwischen Château Cheval Blanc in Saint Emilion und Terrazas de los Andes.
Australien
Der sechste Kontinent war mit drei Weinen vertreten, wobei ich selbst im Drink Tank eine kleine Vertikale mit Rosemount Estates Show Reserve Traditional publiziert habe. Thomas Günther steuerte mit seinen weinverkostungen The Galvo Garage von D`Arenberg bei und Swetlana Kittke den Tamblyn von Bremerton, Langhorne Creek South Australia und zwar im kulinarischen Duell mit einem südafrikaner
Frankreich
Eine spannendes Manifest zu dem Thema aus Sicht einer Winzerin gibt es bei Iris Rutz-Rudel in ihrem Winzerinnen-Blog vom Weingut Lisson aus Südfrankreich zu lesen, die sich über die an einigen Stellen laut gewordene kritischen Kommentare wunderte, in denen Bordeaux Cuvées pauschal als Nachahmer und Imitate bezeichnet wurden. Sie hat dies mit der ihr üblichen Gründlichkeit und Kompetenz zurückgewiesen und hat erläutert, was einen Winzer dazu bewegen kann diese Sorten an ungewohnter Stelle anzupflanzen und zu vinifizieren, soweit es die Wildschweine zulassen. Les Échelles de Lisson: kein Bordeaux-Imitat, sondern eher ein von seinem Terroir und unserer Idee eines natürlichen wilden Weins geprägter Tropfen.
Italien
In Italien hätte man mit Weinen wie Ornellaia oder San Lorenzo eigentlich recht leicht fündig werden können, aber stattdessen hat Wolf Hosbach für sein Weblog Hausmannskost dankenswerterweise einen halbvergessenen Klassiker ausgegraben: Venegazzu´ della Casa von Lordan Gasparini.
Südafrika
Und schliesslich Südafrika! Dort zählen die Bordeaux Blends inzwischen selbst schon fast zu den Klassikern Es gibt alljährlich Verkostungen dieses Typus nicht nur in Südafrika selbst sondern auch in Deutschland oder in den USA. Die Weinwelt hat längst begriffen, dass da auf Basis der klassischen Bordelaiser Sorten ein ganz eigener hochwertiger Weintypus heranwächst. So gesehen geht die Marken-Wertung dieser Weinrallye eindeutig an Kap.
Woran liegt es, dass diese Weine eine so aussergewöhnliche Qualität haben? Eine Erklärung könnte vielleicht diese sein: zwei dieser Sorten bringen in einigen Regionen am Western Cape besonders gute, oftmals sogar bessere Ergebnisse wie in Bordeaux selbst. Ich meine damit Cabernet franc und Petit Verdot. Stefan Graf Neipperg, dessen ersten Capaia-Jahrgang ich hier vorgestellt habe, hat mir das im Gespräch nochmals ausdrücklich bestätigt. So reife Petit Verdots wie in Südafrika gebe in Bordeaux nur selten. Einen Wein, den ich seit seinem ersten Jahrgang in den 1990er Jahren verfolgt habe, stellte vinissimus vor, den Faithfull Hound von Mulderbosch in Stellenbosch. Thomas Lippert hat sich im Winzerblog mit dem Trilogy von Warwick Estate eines der roten Schwergewichte Südafrikas zur Brust genommen während ich den Ladybird von Laibach, den Viva Vino verkostet hat eher zu den eleganten Vertretern dieses Weintypus zählen würde. Und dann last but not least: einer meiner erklärten Lieblingsblogs: myexperience4you von Swetlana Kittke. Dort kann eine faszinierende, kulinarische Tour de Force lesen sondern auch die Geschichte von Ansela Van de Caab jenem Cuvée von Muratie Wine Estate in, Stellenbosch die an eine Frau erinnert, die unter hier an der Flanke des Simonsbergs vor 350 Jahren ihre Familie unter schwierigsten Umständen durchbrachte. Für mich hält dieser Beitrag die Pool-Position Nr. 1.
Scheuermann um 16:33 in Tastings | 1 Kommentar | TrackBack (0) | Artikel versenden
Swetlana kommentiert:
Besten Dank für die zuverlässige, kompetente und aufmerksame Betreuung und Kommentierung der 13. Weinrallye!
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